20. Jahrhundert

Da die Grube Wilhelmine nicht wirtschaftlich arbeitete und die Bergleute nicht bezahlt werden konnten, ruhte der Betrieb immer wieder zeitweise. Zum einen waren die Kupfererzvorkommen in der Grube nicht sonderlich ergiebig, zum anderen fehlte es an einer professionellen Aufbereitung des geförderten Erzes.

In den Jahren 1906 bis 1908 wurden Versuchsbohrungen durch die Erkelenzer Bohrgesellschaft bis in eine Tiefe von 100 Metern durchgeführt, um neue Kupfervorkommen zu erschließen. Die Bohrungen ergaben aber keine besseren Vorkommen. Die Grube wurde deshalb vorerst nicht mehr in Betrieb genommen. In der Folgezeit wechselte die Grube mehrmals den Besitzer.

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Probebohrung der Erkelenzer Bohrgesellschaft 1908 bis 100 m Teufe. Bis zu dieser Zeit handelte es sich bei den Fördergerüsten noch stets um Holzkonstruktionen.
Ausschnitt aus einer Postkarte.

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Blick auf das Bergwerk „Grube Wilhelmine“ und Vormwald. Vergrößerung aus einer Ansichtskarte.
Deutlich zu erkennen die große Abraumhalde. Es fehlt der stählerne Förderturm, deshalb vor 1919 aufgenommen.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 stieg der Bedarf an inländischen Rohstoffen, vor allem kriegswichtigen Metallen, stark an. Das Erz aus dem Spessart sollte der Sicherung des Bedarfs der Heeresverwaltung dienen, so dass die Wiederaufnahme des Grubenbetriebs verordnet wurde. 1916 begann die Deutsche Montan Gesellschaft mit dem verstärkten Ausbau der Grube Wilhelmine, um tiefere Erzvorkommen zu erschließen. Das Ende des Krieges 1918 brachte aber zunächst die Einstellung der unrentablen Arbeiten mit sich.

Diese wurden erst im März 1919 wieder aufgenommen, als die bayerische Staatsregierung die Deutsche Montan Gesellschaft als Betreiber zur unverzüglichen Betriebsaufnahme zwang, um Arbeitsplätze für die Kriegsheimkehrer zu schaffen. Um die Kupferausbeute zu erhöhen, wurde dabei viel investiert: Es wurde ein stählerner Förderturm auf dem Berg über dem Hauptschacht errichtet und eine Erzaufbereitungsanlage einige hundert Meter östlich des Bergwerks gebaut. Als Kraftwerk diente zunächst ein Dampflokomobil, bis 1921 aufgrund des hohen Energiebedarfs des Bergwerks Strom nach Sommerkahl gelegt wurde. Eine eigene Stromversorgung war zu damaliger Zeit für eine Spessartgemeinde ein Novum.

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Grubenanlage im Jahr 1920. Zu sehen sind die neu errichtete Trafostation zur Stromversorgung, das stählerne Fördergerüst (nach Bauart des deutschen Strebengerüstes), die Aufbereitungsanlage und die Lorenbahn dorthin, die Halden und die Grubenschmiede. Zur Vergrößerung auf das Bild klicken.

Doch die Erzausbeute war nach wie vor gering. Auch die verwendete Technik der Aufbereitungsanlage war veraltet und ineffizient. Man arbeitete nach dem Prinzip der Nassaufbereitung mit Schwämmen – eine Methode, die für das Sommerkahler Erz nicht effektiv war. So ging beim Aufbereitungsprozess ein erheblicher Anteil des Kupfererzes verloren. Erforderliche Investitionen für eine Flotationsanlage überstiegen das bisherige Investitionsvolumen erheblich und konnten nicht mehr geleistet werden. So musste im Frühjahr 1923 der Bergbau in Sommerkahl endgültig eingestellt werden.

Die Materialien und Gebäude des Bergbaubetriebes wie Aufbereitungsanlage, Förderturm usw. wurden abgebaut, verkauft oder als Baustoffe für das Sommerkahler Schulhaus verwendet. Durch den Verkauf der Materialien konnte die Gemeinde Sommerkahl, die über nur geringe Mittel verfügte, das Schulgebäude zum überwiegenden Teil finanzieren und das Bauprojekt ohne Belastung der Gemeindekasse bewältigen,

Im Jahr 1945 wurden die 23 und 40 m Sohlen des Bergwerkes als Schutzräume genutzt. In den folgenden Jahren diente das Grubengebäude der Sommerkahler Jugend verbotener Weise als Abenteuerspielplatz.

Auch eine Champignonzucht auf der 23m-Sohle wurde versucht – jedoch ohne Erfolg. Die Champignons, die anfangs prächtig gediehen, gingen später aufgrund der hohen Kupferkonzentration des Stollens ein.

Im Jahr 1968 wurden die Stollen durch das Bergamt verschlossen und das Bergwerk geriet fast in Vergessenheit. Erst 1984 im Rahmen der 800-Jahrfeier von Sommerkahl fand eine erneute Befahrung der 23m-Sohle statt. Der sehr gute Zustand und die Einzigartigkeit der Grube Wilhelmine weckten schon damals den Wunsch, in diesem standfesten Gebirge ein Besucherbergwerk zu errichten. Doch bis dahin sollten noch ein paar Jahre vergehen